Das landschaftliche Herzstück ist der Nationalpark Monte Gordo im
feuchteren, grünen Westen. Dichte Wälder, tiefe Schluchten und seltene
endemische Pflanzen machen diese Region zu einem echten Wanderparadies.
Der Monte Gordo selbst, mit 1.312 Metern der höchste Punkt der Insel, ist
oft in mystischen Nebel gehüllt; an klaren Tagen eröffnet sich von seinen
Hängen ein spektakuläres Panorama über São Nicolau und den Atlantik. Rund
um den Berg wechseln sich bewirtschaftete Terrassen, kleine Felder und
naturbelassene Hänge ab – eine Landschaft, die zugleich wild und vom
Menschen geformt wirkt.
Eine botanische Besonderheit und eines der markantesten Wahrzeichen São
Nicolaus sind die zahlreichen Drachenbäume (Dracaena draco). Besonders in
der Gegend um Fajã de Baixo, Fajã de Cima und am Fuß des Monte Gordo
prägen diese uralten, bizarr geformten Bäume das Landschaftsbild. Viele
von ihnen sind mehrere Jahrhunderte alt und wirken wie lebende Fossilien.
Ihr rötliches Harz, das „Drachenblut“, wurde früher als Farbstoff und in
der Volksmedizin verwendet – heute erzählen sie vor allem von der tiefen
Naturverbundenheit der Insel.
Auch die Küstenlandschaften zeigen sich abwechslungsreich und
eindrucksvoll. Im Osten und Süden formen Wind und Wasser steile Täler,
Steinwüsten und bizarre Felsformationen. Die Felsen von Carberinho, von
Brandung und Erosion über Jahrhunderte modelliert, zählen zu den sieben
Naturwundern der Kapverden und bieten ein besonders eindrucksvolles Spiel
aus Formen, Farben und Meer – allerdings an Tagen mit ruhiger See, da die
Brandung hier schnell gefährlich werden kann. Südlich von Tarrafal de São
Nicolau liegt mit Baixo di Rotxa ein Traumstrand, der mit seinem dunklen
Sand, der Brandung und der Abgeschiedenheit vor allem jene anspricht, die
Ursprünglichkeit schätzen.
Das Herz der Insel bildet Ribeira Brava, malerisch in ein grünes Tal
eingebettet. Pastellfarbene Kolonialhäuser, enge Gassen und die imposante
Kirche „Igreja Matriz de Nossa Senhora do Rosario“ verleihen dem Ort einen
fast zeitlosen Charme. Im Süden liegt Tarrafal de São Nicolau, der größte
Ort und wichtigste Fischereihafen der Insel, bekannt für seinen schwarzen
Sandstrand und die Thunfisch-Konservenfabrik – ein Ort, an dem das
maritime Leben der Insel besonders greifbar wird. Kleine Dörfer wie Fajã
de Baixo oder das abgelegene Carriçal stehen für landwirtschaftliche
Tradition, einfache Lebensweise und eine enge Verbindung zum Meer.
Abseits der Orte warten weitere, eher versteckte Highlights: die
Fajã-Ebene im Nordwesten mit intensiver Landwirtschaft und Drachenbäumen,
der Naturpool von Juncalinho im Nordosten, in dem man bei ruhiger See
geschützt baden kann, sowie die geheimnisvollen Felsritzungen von Rotxa
Skribida – ein Ort voller Legenden und Geschichten. All das macht São
Nicolau zu einer Insel für Entdecker, die das ursprüngliche Kapverden
suchen: rau, schön, authentisch und ein wenig abseits der Zeit.