Ein zentraler Ort dieser Geschichte ist Cidade Velha, die älteste Siedlung der Kapverden und die historische Wiege der Nation. Entlang der Rua Banana, in der Kirche Nossa Senhora do Rosário, am Fort São Filipe und am Pranger wird die Vergangenheit greifbar: Kolonialzeit, Sklavenhandel und die Entstehung der kreolischen Kultur haben hier tiefe Spuren hinterlassen. Wer durch die Gassen geht und den Blick über die Bucht schweifen lässt, spürt die historische Schwere und gleichzeitig den Neuanfang, der aus diesem Ort hervorgegangen ist.
Praia, die heutige Hauptstadt, zeigt Santiago von seiner modernen, urbanen Seite. Auf dem historischen Plateau reihen sich Kolonialbauten, kleine Cafés und die Praça Alexandre Albuquerque aneinander, während in den umliegenden Vierteln Straßenleben, Märkte und moderne Geschäfte den Alltag prägen. Besonders abends zieht es viele an die Strandbars und Restaurants in Palmarejo Baixo und an die Praia de Kebra Kanela: Hier treffen fangfrische Meeresfrüchte, kreative Fusion-Küche und Live-Musik aufeinander – ein Ort, an dem sich die afrikanischen Wurzeln und die weltoffene Seite der Kapverden kulinarisch und musikalisch verbinden.
Im Inselinneren liegt Assomada, oft als „Kornhaus“ der Kapverden bezeichnet. Der farbenfrohe Straßenmarkt zeigt, wie eng das Leben mit Landwirtschaft und Handel verknüpft ist: Obst, Gemüse, Getreide, Tiere und Alltagswaren wechseln hier täglich die Besitzer. Unweit davon steht der mächtige Kapokbaum von Boa Entrada, der als ältester Baum der Kapverden gilt. Mit seinem geschätzten Alter von rund 500 Jahren und seiner gewaltigen Krone wirkt er wie ein stiller Zeuge der Inselgeschichte und ist ein beeindruckendes Naturdenkmal.
Santiago ist aber auch eine Insel der Strände und Küstenlandschaften. Im Nordwesten liegt Tarrafal, ein entspanntes Fischerdorf mit einer der schönsten Badebuchten des Landes: Feiner Sand, türkisblaues Wasser, Kokospalmen und leuchtende Feuerakazien sorgen für tropisches Flair. Direkt am Strand lädt die Kabungo Beach Bar zum Verweilen ein – bekannt für Caipirinhas mit Passionsfrucht, Kiwi oder Papaya, kleine Snacks und eine herzliche, lockere Atmosphäre. Am langen, unberührten Strand von Ribeira da Prata verleihen Mangobäume und Kokospalmen der Szenerie einen besonderen Reiz. Von Juni bis September kommen hier regelmäßig Unechte Karettschildkröten an Land, um ihre Eier im Sand abzulegen – ein stiller, magischer Ort für Naturliebhaber.
Landschaftlich zeigt Santiago nahezu alle Facetten, die man auf den Kapverden finden kann: schroffe Gebirge, grüne Täler, fruchtbare Hochplateaus, trockene Steppen, Bananen- und Mangoplantagen sowie palmengesäumte Strände. Das Rückgrat der Insel bilden die Serra Malagueta im Norden (1.064 m) und der Pico da Antónia im Zentrum (1.394 m). Im Naturpark Serra Malagueta führen Wanderwege durch grüne Berge, vorbei an endemischen Pflanzen und Aussichtspunkten mit grandiosem Blick bis zum Atlantik. Auch im Inselinneren und an der Ostküste laden Flusstäler, kleine Dörfer und Pfade zu abwechslungsreichen Entdeckungen ein.
All das macht Santiago zu einer Insel, die man nicht nur besucht, sondern erlebt: als kraftvollen, vielschichtigen Ort, an dem Geschichte, afrikanische Verbundenheit, Natur und moderne kapverdische Lebensart aufeinandertreffen.