Das Herz der Insel schlägt in der Chã das Caldeiras, einer Siedlung inmitten eines rund acht Kilometer durchmessenden Vulkankraters. Hier, auf etwa 1.600 Metern Höhe, leben Menschen Tür an Tür mit dem Feuerberg, umgeben von schwarzen Lavafeldern und Weinbergen, die sich über den dunklen Boden ziehen. Berühmt ist die Region auch für ihre genetischen Besonderheiten – immer wieder begegnet man hier Menschen mit hellen Haaren und blauen Augen, ein Erbe bewegter Familiengeschichten. Ein Aufstieg vom Kraterboden bis zum Gipfel des Pico do Fogo ist ein unvergessliches Erlebnis: Mit lokalen Guides geht es über Asche und Lavagestein hinauf, während sich mit jedem Höhenmeter neue Blicke auf die Caldeira, die Lavaströme und die Weite des Atlantiks öffnen. Wer es etwas ruhiger angehen möchte, wählt den kürzeren Weg auf den Pico Pequeno, den Ausbruchskrater von 2014 – eine Tour, die auch für weniger geübte Wanderer gut machbar ist und dennoch tief in die Vulkanlandschaft eintauchen lässt.
Fogo ist aber nicht nur Feuer, sondern auch Genuss. Auf den fruchtbaren Vulkanböden wachsen aromatischer Kaffee, Obst und Gemüse, und vor allem die Reben, aus denen die charaktervollen Weine der Insel entstehen. Die Chã das Caldeiras ist das Zentrum des Weinbaus: In der Kooperative und bei kleinen Winzern können Besucher die lokalen Weine probieren, darunter den ursprünglichen „Manecon“, den es nur hier gibt. Dazu passen traditioneller Ziegenkäse und weitere regionale Spezialitäten – ein kulinarischer Ausdruck der Insel, der eng mit ihrer Landschaft verbunden ist.
An der Küste zeigt Fogo ein anderes Gesicht. Die Inselhauptstadt São Filipe beeindruckt mit kolonialer Architektur, farbenfrohen Sobrados, gepflegten Plätzen und einem traumhaften Blick hinüber nach Brava. In der Casa da Memória und im Vulkanmuseum erfährt man mehr über die Geschichte der Stadt, der Insel und des Vulkans. Unterhalb der Steilküste liegt ein schwarzer Lavastrand, der mit seinem Kontrast aus dunklem Sand und blauem Meer ein beliebtes Fotomotiv ist. Im Norden lädt das verschlafene Küstendorf Mosteiros mit seinem ursprünglichen Charme und umliegenden Kaffeeplantagen zum Verweilen ein, im Osten zeigt sich Fogo in Cova Figueira bunt und lebendig, geprägt von Rückkehrern aus der Diaspora.
Wer die Insel umrundet, fährt entlang der Ringstraße durch eine Landschaft aus alten Lavaströmen, Kratern und Aschebergen, die immer wieder neue Perspektiven auf den Vulkan eröffnen. An der Küste von Salinas schließlich bilden natürliche Meerwasserpools – bei ruhiger See – geschützte Becken zum Baden und Entspannen. All das macht Fogo zu einem Ort, an dem sich Naturgewalt, Kultur und Genuss auf besondere Weise verbinden: eine Insel, die kraftvoll, eigenwillig und gleichzeitig tief faszinierend ist.